Vegetationsuntersuchungen an ausgewählten Standorten des Hamburger Hafens

Große Häfen wie der Hamburger Hafen sind Verkehrsknotenpunkte besonderer Art, denn nur hier treffen die drei großen Verkehrsträger direkt aufeinander: Schiff, Eisenbahn und Straßenverkehr. Gleichzeitig sind große Häfen aber auch Lebensräume besonderer Art, unter anderem weil sich hier Pflanzen ansiedeln können, die als blinde Passagiere aus fernen Gegenden eingeschleppt wurden. Der Hamburger Hafen ist gerade für diese als Adventivpflanzen bezeichneten Arten aufgrund der großen und ständig wechselnden Pflanzenartenvielfalt in botanischen Fachkreisen in der ganzen Bundesrepublik berühmt. Darüber hinaus sind derartige, zeitweilig unbewirtschaftete Flächen Standorte von andernorts teilweise selten gewordenen heimischen Trockenlebensraum-Gesellschaften.

Vor diesem Hintergrund trat im Sommer 2017 die Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz (BfG) an unseren Verein heran. Am Beispiel des Hamburger Hafens soll die Bedeutung der Häfen für die Biodiversität und zugleich ihre Rolle bei der Einwanderung gebietsfremder Pflanzenarten untersucht werden. Bei der Wahl des Projektpartners war für die Bundesanstalt für Gewässer vor allem die große Expertise des Botanischen Vereins bei der Erforschung der Hamburger Hafenflora ausschlaggebend. Nach ersten Gespräche im Sommer 2017 wurde im Oktober 2018 mit den Untersuchungen begonnen.

Ziel des Projekts ist es, die Verbreitung und die Verbreitungsträger (sowohl auf Transportmittel-, als auch Frachtebene) ursprünglich nicht einheimischer Arten entlang der Verkehrswege (Ausbreitungsachsen) zu ermitteln. Durch einen Vergleich mit historischen Vegetationsdaten des Hamburger Hafens aus den 1980er Jahren soll ermittelt werden, welche Relevanz die einst äußerst reiche und weithin bekannte Adventivflora des Hamburger Hafens aktuell bei der Einfuhr und Ausbreitung von ursprünglich nicht einheimischen Arten spielt und wie diese zu bewerten ist. Auch sollen hiervon ausgehend die Auswirkungen von Strukturveränderungen infolge fortschreitender Technisierung und Versiegelung für die Flora des Hamburger Hafens analysiert werden.

Der Startschuss für das Projekt fiel im Herbst 2018 mit einer groben luftbildbasierten Biotoptypenkartierung des Hafengebiets mit dem Ziel für die Fragestellung interessante Gebiete zu identifizieren. Im Laufe des Winters 2018/2019 kamen so über 60 potentiell interessante Flächen zusammen, mit einer Bandbreite von vollversiegeltem Containerlager, über Bahngleise und LKW-Rastplätze bis hin zu alten Brachen, Baustellen und Spülfeldern. Anschließend fand eine Priorisierung auf 25 Flächen statt. Seit Mai 2019 sind einige Vereinsmitglieder um das Team von Ingo Brandt, Kolja Dudas, Andromeda v. Prondzinski und Jörn Schwarzstein unterwegs die Flächen feingliedrig in Lebensräume, angelehnt an die Methoden der Biotopkartierung, zu kartieren. Das soll nach Möglichkeit an zwei Terminen pro Fläche passieren, um die große jahreszeitliche Bandbreite, die wir gerade bei Adventivarten des Hafens beobachten, annähernd abdecken zu können. Bis zum Frühjahr 2020 soll dann ein zusammenfassender Bericht erstellt werden.

Zurück