Pilzflora – Arbeitsgruppe Mykologie

Über uns

Die Arbeitsgruppe Mykologie existiert seit dem 18.11.1979 als Zusammenschluss von einigen Mitgliedern des Botanischen Vereins zu Hamburg, deren Interesse an Pilzen nicht von kulinarischen Gesichtspunkten bestimmt war. Initiator war damals der engagierte Amateurmykologe Till R. Lohmeyer, der heute in Bayern lebt.

Zurzeit nehmen etwa 10 Personen regelmäßig an den Treffen der AG teil. Fast alle sind zugleich auch Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM, www.dgfm-ev.de), einem überregionalen Dachverband für Pilzkundler, dem auch die Aus- und Fortbildung von Pilzsachverständigen (DGfM) obliegt.

Die Leitung der Arbeitsgruppe liegt in den Händen des Gründungsmitglieds Dr. J. Hechler, für organisatorische Fragen ist Dr. G. Schmidt-Stohn (E-Mail: geert.schmidt-stohn@t-online.de) zuständig, der zugleich auch als Landeskoordinator des Bundeslands Hamburg in der Deutschen Gesellschaft für Mykologie fungiert.

Ziele

Unser primäres Interesse ist die ständige Wissenserweiterung bezüglich der etwa zwischen der Holsteinischen Schweiz im Norden und den Mittelgebirgen im Süden vorkommenden Arten und ihrer Lebensraumansprüche. Bearbeitet werden Pilze unterschiedlichster systematischer Zugehörigkeit, d.h. das Spektrum reicht von Blätter- und Röhrenpilzen,  Morcheln, Lorcheln und Becherlingen etc. über Mehltau- und Rostpilze bis hin zu den Echten Schleimpilzen, die im natürlichen System eine eigene Abteilung bilden.

Schwerpunkt unserer Bemühungen ist dementsprechend die korrekte Fundbestimmung mittels Fachliteratur, Mikroskop, Färbereagenzien etc., sodass neben den bereits im Felde anzusprechenden Arten auch die schwierigeren und interessanteren in die jeweils anzufertigenden Exkursionslisten einfließen können.

Naturfreunde, die das Thema Pilze gleichfalls faszinierend finden und die sich von dieser Herangehensweise angesprochen fühlen, sind uns jederzeit willkommen. Bei dauerhaftem Anschluss an die Gruppe wird die Mitgliedschaft im Botanischen Verein zu Hamburg e.V. erwartet.


Obere Reihe:
– Wetterstern (Astraeus hygrometricus, Foto: Geert Schmidt-Stohn);
– Verzweigter Hautbecher (Badhamia utricularis), ein Vertreter aus der Pilzgruppe der Echten Schleimpilze (Foto: Geert Schmidt-Stohn);
– Flockenstieliger Hexenröhrling (Boletus luridiformis var. luridiformis, Foto: Geert Schmidt-Stohn);
Untere Reihe:
– Azaleen-Mehltau (Erysiphe azaleae).  Braunschwarzer Fruchtkörper (ca. 0,12 mm) mit bäumchenförmigen Anhängseln und Schläuchen (Asci) im Inneren, die 3 bis 7 Sporen enthalten; (mikroskopisches Foto: Anke Schmidt);
– Gelbstieliger Helmling (Mycena renati, Foto: Ilse Wendland);
– Österreichischer Kelchbecherling (Sarcoscypha austriaca, Foto: Geert Schmidt-Stohn)


Aktivitäten

Es finden während des ganzen Jahres kontinuierlich Veranstaltungen statt; im Sommer und Herbst in Form von Exkursionen, im Winter und Frühjahr als monatliche Treffen mit Kurzreferaten, Diskussionen und Bildbeiträgen zu Funden des vergangenen Jahres.

Seit 1981 wird jährlich eine mykologische Arbeitswoche an unterschiedlichen Orten in Norddeutschland durchgeführt, um neue Lebensräume und damit zugleich neue Arten kennenzulernen.

Zweimal im Jahr bieten Mitglieder der Gruppe eine allgemein zugängliche pilzkundliche Führung für den Botanischen Verein an, die sich insbesondere auch an Anfänger bzw. Personen mit geringen Pilzkenntnissen richtet. Die Termine sind dem Programm des Botanischen Vereins zu Hamburg e.V. zu entnehmen.

Ferner sind einige Mitglieder unserer Arbeitsgruppe geprüfte Pilzsachverständige der DGfM, der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, und werden bei Pilzvergiftungen zur fachlichen Beratung (Pilzbestimmung) hinzugezogen.

Fachliche und wissenschaftliche Arbeit

Grundsätzlich werden im Gelände nicht sicher ansprechbare Pilze für eine Nachbearbeitung und Bestimmung gesammelt. Die Ergebnisse werden in Form einer kommentierten Artenliste zusammen gefasst.

Diese Exkursionsprotokolle wurden und werden verschiedenen Projekten zur Verfügung gestellt, so z.B. dem Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschlands, den Roten Listen und Pilzfloren der Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Ergebnisse der Exkursionen der 1-wöchigen Arbeitswochen werden jeweils in einer mit Farbbildern versehenen umfangreichen Dokumentation zusammengefasst. Daneben werden von einzelnen Mitgliedern auch wissenschaftliche Publikationen zu unterschiedlichen Themen verfasst, von denen nachfolgend eine Auswahl (in chronologischer Reihenfolge) aufgeführt ist.

Publikationen

  • STEINDL, P. (1988): Mit Holzabfällen gemulchte Grünanlagen – ein neuer Lebensraum für in Hamburg bisher seltene Pilzarten. – Ber.Bot.Ver. Hbg. 9:2-10
  • HECHLER, J. u. P. STEINDL (1991): Über einige Sklerotienbecherlinge (Ascomycetes, Sclerotiniaceae) des zeitigen Frühjahrs aus und um Hamburg. – Ber. Bot.Ver.Hbg. 12:13-39
  • WENDLAND, I. (1994): Tremellodendropsis tuberosa in Mecklenburg. – Boletus 18(3):102-104
  • SCHMIDT, A. u. M. SCHOLLER Studies in Erysiphales anamorphs (III): Conidiophore variability in Oidium carpini. Carolinea 64: 119-122 (2006)
  • WENDLAND, I. (2008): Vier besondere Funde von Blätterpilzen aus dem nordöstlichen Mecklenburg- Vorpommern. Boletus 30(2):81-87
  • AYOUB, N., D. LASS, W. SCHULTZE* Volatile Constituents of the Medicinal Fungus Inonotus obliquus (Pers.: Fr.) Pilát (Aphyllophoromycetideae). International Journal of Medicinal Mushrooms 11(1), 55-66 (2009)
  • OSMANOVA, N., W. SCHULTZE*, N. AYOUB Azaphilones: a class of fungal metabolites with diverse biological activities. Phytochemistry Reviews 9, 315-342 (2010)
  • SCHMIDT-STOHN, G. & B. OERTEL (2010): Methodik und Anwendung von DNA-Analysen in der Pilz-Taxonomie. – Z. Mykol. 76/1: 101-120.
  • SCHMIDT-STOHN, G. (2011): Fotografie ornamentierter Sporen mit der Methode des „Focus Stacking“. – Journal des J.E.C. No 13: 79-87.
  • BRANDRUD, T.E. & G. SCHMIDT-STOHN (2011): Der Huy – ein artenreicher Cortinarien-Standort mit Kalklaubwäldern in Sachsen-Anhalt. – Journal des J.E.C. No 13: 63-78.
  • SCHMIDT, A. u. M. SCHOLLER Studies in Erysiphales anamorphs (4): species on Hydrangeaceae and Papaveraceae. Mycotaxon 115: 287-301 (2011)

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