Auch bekannt als Breitblättrige Kresse oder als Lepidium latifolium (aus der Familie der Kruzblütler). Es geht hier um eine besonders schöne Pflanze: Duftig zarte Blütenstände, man könnte sie anstelle des Schleierkrautes in Blumengestecken verwenden. Und um eine nützliche Pflanze: Nämlich um ein Küchenkraut, das wie die Gartenkresse gebraucht werden kann, mit leicht scharfem, pfeffrigem Geschmack. Und um eine einheimische Pflanze, obwohl wir sie im Hamburger Pflanzenatlas fälschlich als Neophyten klassifiziert haben. Sie ist salztolerant und kommt auf Dünen an der Ostsee vor. Ich habe sie das erste Mal in den siebziger Jahren in Heiligenhafen gesehen. Ich frage mich, warum diese attraktive Pflanze nicht viel öfter in unseren Gärten kultiviert wird, aber ich kenne auch schon eine Antwort. Sie wuchert! Sie hält hartnäckig ihren Platz, wenn sie ihn einmal erobert hat. Und breitet sich beharrlich mit ihren Samen in die nähere Umgebung aus. Schon im Jahre 1591 hat der Arzt und Botaniker Tabernaemontanus bemerkt: Diss Gewächs kompt in den Gärten herfür und ist übel widerumb zu vertreiben.

Und jetzt Ende Juni Anfang Juli blüht sie bei uns in Hamburg. Und zwar nur auf Mittelstreifen und hin und wieder auch am Straßenrand. Das Faszinierende an dieser Pflanze ist ihre Kontinuität, also eine Eigenschaft, die man bei Ruderalpflanzen nicht ohne weiteres vermuten würde. Zuerst gemeldet für Hamburg wurde sie im Jahre 1996 vom Veddeler Damm und der Borsteler Chaussee. An beiden Stellen kommt sie immer noch vor. Gleiches gilt vom Pezolddamm in Bramfeld, wo ich sie zuerst 1998 und gerade jetzt wieder blühend gesehen habe. Dass dieser Halophyt gern an städtischen Schnellstraßen und an Autobahnen vorkommt, ist kein Wunder, denn hier wird in jedem Winter Salz gestreut. Ingo Brandt und Andromeda v. Prondzinski haben sie von der A1 südlich der Süderelbbrücke gemeldet, und sie kommt auch an der B5 Richtung Bergedorf vor, besonders häufig ist sie bei der Horner Rampe. Wenn man erst einmal den Blick für diese wunderschöne Staude entwickelt hat, kann man sie auf jeder Autobahn und an jedem Straßenrand erkennen. So ist mir beispielsweise ein Massenaufkommen aufgefallen auf der A7 bei Niederaula bei Kilometer 536; auf der Autobahn Rosenheim-München; und auf der A1 nahe Lübeck bei der Ausfahrt Bad Schwartau. Zuletzt aufgemerkt habe ich bei der Bushaltestelle am U-Bahnhof Mundsburg.

Dieser Blick scheint den Straßenrandpflegern der Bezirke leider zu fehlen. Bei uns in Groß-Borstel wird das Pfefferkraut in den meisten Jahren gnadenlos abgesäbelt, bevor es zur Blüte kommen kann. Das finde ich bei einer so hübschen Pflanze sehr schade.

Aber dennoch Augen auf. Jetzt blüht das Pfefferkraut, und da kann man es besonders leicht erkennen. Wer es findet: Bitte melden. Und wer einen Biogarten hat, sollte dieser schönen und nützlichen Pflanze eine Chance geben. 

Hans-Helmut Poppendieck, 1. Juli 2026

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