In Hamburg wird derzeit darüber nachgedacht, im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Hamburg Natürlich“ in Planten und Blomen einen Heidegarten zu schaffen.

 Der Heidegarten war ein großes Thema, als ich vor 45 Jahren (1973) als Gartenkustos am Botanischen Garten Hamburg anfing. Hamburg war damals sozusagen die heimliche Hauptstadt des Heidegartens. Im öffentlich zugänglichen Grün gab es mindestens drei bemerkenswerte Anlagen. Zu Recht hochberühmt war der Heidegarten am Krankenhaus Heidberg, das Lebenswerk des Obergärtners Fritz Kircher. Er galt als Nestor der Heidebewegung in Deutschland und hatte 1977 die heute noch bestehende Gesellschaft der Heidefreunde gegründet. In diesem Umfeld entstand dann 1987 das schöne Buch „Heidegärten“ von Lothar Denkewitz, dessen Haus und Garten nur 800 Meter vom Kircherschen Heidegarten entfernt lag. Heidegärten brauchen engagierte und sorgfältige Pflege. Kircher ging 1979 in Ruhestand; seine Nachfolger taten ihr Bestes. Aber nach 1998 ging es dann bergab mit dem Bebauungsplan Langenhorn 66 und dem Verkauf des Krankenhauses an den privaten Betreiber Asklepios. Geblieben ist ein verwilderter Park mit interessantem Gehölzbestand, aber bis auf ein paar kümmerliche Exemplare Calluna und Erica ist hier heute keine Heide mehr zu finden.

 Ähnlich ist es dem Heidegarten im Hamburger Stadtpark ergangen, eine schlichte aber schöne Anlage der 1970er Jahre an der Ecke Otto-Wels-Straße und Jahnring. In Heino Grunerts Stadtparkbuch wird dieser Heidegarten leider nur kurz gestreift. Vermutlich wurde er aufgegeben, nachdem der renommierte Staudengärtner des Stadtparks Friedrich Kamps in den Ruhestand gegangen war.

 Eine besonders alte Tradition hat der Heidegarten im Botanischen Garten Hamburg. Eine Heide-Abteilung gab es schon um 1908  im Schulgarten in Alsterdorf und auch bis 1971 im Alten Botanischen Garten am der Straße bei den Kirchhöfen. Im Neuen Botanischen Garten Hamburg gab es sogar zwei Heidegärten. Das „ökologische“ Heidebiotop zur Darstellung der norddeutschen Sandheide mit ihren typischen Pflanzen wurde schon in den 1980er Jahren aufgegeben, weil es sich als Unkrautmagnet erwiesen hatte. Vom „gärtnerischen“ Heidegarten im Westen sind bestenfalls noch ein paar Calluna– und Erica-Sorten übrig geblieben, kein Vergleich mit dem Sortiment der 1980er Jahre, als dieser Gartenteil von aus dem Pinnebergischen stammenden Heideexperten gepflegt wurde.

 Ich glaube, auch im Altonaer Volkspark hat es in den 1970er Jahren einen Heidegarten gegeben.

 Heidegärten waren in den 1970er und 1980er Jahren in Hausgärten sehr beliebt, aber auch dort sind sie inzwischen fast völlig verschwunden. Überlebt haben Heidegärten vor allem in Botanischen Gärten. Sie sind gärtnerisch anspruchsvoll und vor allem in den ersten Jahren nicht gerade pflegeleicht. Schon die Bodenvorbereitung erfordert große Sorgfalt. Hinzu kommen Winterschutz, Düngung, jährlicher Rückschnitt (simulierte Schafbeweidung) und Unkrautbekämpfung, die auf jeden Fall manuell durchgeführt werden muss, also jäten und nicht hacken. Im kleinen Hausgarten kann man das noch gut bewältigen, aber mit zunehmender Größe steigt auch der Pflegeaufwand. Trockene Sommer wie in 2003 und in diesem Jahr sind für die aus atlantischem Klima stammenden Pflanzen ebenfalls ein Problem, da muss man wässern. Wenn man heute aus guten ökologischen Gründen auf die Einbringung von Torf verzichten will, macht dies die Sache keineswegs einfacher. Ein gut gepflegter und arten- und sortenreicher Heidegarten kann eine wundervolle Sache sein, high gardening at ist best, und es ist außerordentlich schade, dass man so etwas heute kaum noch zu sehen bekommt. Ein Heidegarten für Planten un Blomen ist eine tolle Idee, und die Kollegen dort werden die nötige „Pinzettenpflege“  sicher gut hinkriegen.

 Aber ob so etwas als Modell für naturnahe Parkpflege an anderer Stelle dienen kann oder sogar als Blaupause für weitere Heidelandschaften im öffentlichen Grün? Darüber sollte man vielleicht noch einmal nachdenken.

Zum Nachlesen:

Die Broschüre “So pflanzt und pflegt man den Heidegarten” wurde um 1980 von der Gesellschaft der Heidefreunde herausgegeben. Zumindest das Schriftlayout stammt von Johannes Apel, dem damaligen Technischen Leiter des Botanischen Gartens Hamburg, der seinerzeit Vorsitzender der Gesellschaft  war.

Auf das Buch “Heidegärten” von Lothar Denkewitz wurde oben hingewiesen.

Eine liebevolle Schilderung des Heidegartens am Heidbergkrankenhaus hat 1998 Axel Iwohn gegeben in dem Buch “Hamburg Grün” (Hrsg. Martina Nath-Esser).

Wer sich für die in Deutschland durchaus ideologisch behaftete Geschichte des Heidemotivs interessiert, sollte das Buch von Gert Gröning und Uwe Schneider “Die Heide in Park und Garten” lesen, das 1999 erschienen ist.

Hans-Helmut Poppendieck, 30 Juli 2018

 

 

 

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