16.10.2010 (Kommentare: 0)

Lahmendes Pilotprojekt Kreetsand

Wirtschaftsbehörde bremst Tide-Management für die Elbe

Hier soll ein Spülfeld, das auf einer schon vor Jahren rückgedeichten Spülfläche gelegen ist, abgetragen und an dessen Stelle ein Priel gebaggert werden. Der Priel soll so gebaut werden, dass eine möglichst große Wassermenge bei Flut einströmen und bei Ebbe langsam ausströmen kann.

Mit diesem Pilotprojekt soll erprobt werden, wie sich ähnliche Maßnahmen optimal gestalten lassen, damit das Ziel zur Reduzierung des Tidenhubes um 50 cm (Koalitionsvereinbarung Hamburg) wenigstens angesteuert wird.
In aller Eile wurde vom Senat das Naturschutzgebiet Norderelb-Auen beschlossen, damit die Umsetzung der Priel-Baggerei rechtlich problemlos werden konnte.

Das hat auch der Botanische Verein für so wichtig gehalten, dass er sich einer einfachen Plangenehmigung für den Prielbau nicht verschlossen hat. Die gab es freilich nicht, sondern ein umständliches Planfeststellungsverfahren,
das erst jetzt zum Abschluss gelangen könnte- und noch vor dem Winter könnte es losgehen. Könnte – aber warum nicht endlich tatsächlich, fragt sich der Bürger?

Der Stopp für den Baubeginn kommt als Querschuss aus der Wirtschaftsbehörde. Diese hat, wie ihr neuer Senator verkündete, beschlossen, das „Pilotprojekt“ Kreetsand als Ausgleichsmaßnahme für die geplante Elbvertiefung anrechnen zu lassen. Davon war nie vorher die Rede, und die Priel–Planung ist auch nicht unter Naturschutzgesichtspunkten optimiert, sondern man müsste von Zeit zu Zeit wegen Verschlickung baggern - stetig wiederkehrende Eingriffe in einen angeblich dauerhaften Ausgleichs-Biotop.

Da aber der Priel nun als Ausgleich für die Elbvertiefung herhalten soll, muss erst der Planfeststellungsbeschluss zur Elbvertiefung auf den Tisch, in dem diese Ausgleichsmaßnahme stehen soll. Bis dahin soll das „Spülfeld Kreetsand“ weiter so liegen bleiben wie bisher. Das haben alle Naturschutzverbände in Hamburg mit Empörung zur Kenntnis genommen.

Der Wirtschaftssenator wäre gut beraten, wenn er zeigte, dass ihm das Tide-Management der Elbe wirklich wichtig ist und wenn er das Pilotprojekt mit Vorrang vorantriebe. So droht er im Verfahren zur Elbvertiefung jede Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die Zukunft der Tideelbe scheint bei ihm in schlechten Händen zu sein.
 
Horst Bertram

Zur Lektüre warm empfohlen:
Tideelbe-Journal : Klimawandel an der Tideelbe, HPA, Hamburg 2010

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