31.08.2011
Dass die FSC-Zertifizierung des Hamburger Stadtforstes ausgesetzt wurde - ausgerechnet im Jahr der Umwelthauptstadt - spricht für grobe organisatorische Mängel. Die angekündigte Waldbiotopkartierung gibt es bis heute nicht, das von der BSU verwendete GIS kann von dem Computerprogramm der Förster immer noch nicht verstanden werden, das Buchungswesen kränkelt dahin, die Standortbewertung ist fehlerhaft. Wie die laut FSC zu dokumentierende Entwicklung der Wälder zu mehr Naturnähe fortschreitet, ist nicht zu erkennen.
Weitere Mängel sind vermutlich in dem uns nicht vorliegenden Evaluations-Papier aufgelistet.
Der von der Finanzbehörde beauftragte Evaluator, ein promovierter Forstwissenschaftler, schlägt als Ausweg entweder eine Übergabe der Hamburger Forsten an den Landesbetrieb Forsten in Schleswig-Holstein- oder die Gründung eines sog. „Bezirksforstamtes“ vor, das alle Aufgaben einer zentralen Forstbehörde zu erfüllen hätte, aber einem bestimmten Bezirksamt zugeordnet sein soll.
Diese Lösung, die sicher vielen Politikern eher zusagen würde, bedeutet aber den Verzicht auf eine ministerielle Wahrnehmung der Aufgaben nach dem Bundeswaldgesetz.
Die Einbeziehung der Forstverwaltung in die BBNU (Behörde für Bezirksangelegenheiten, Naturschutz und Umweltgestaltung) war 1978 einer der ersten Schritte zur Schaffung einer handlungsfähigen Umweltbehörde durch den Senator Wolfgang Curilla. Der Grünbereich bildete den Kern mit den größten Synergie-Effekten. Dies würde heute umso mehr gelten, denn Naturschutz und Forst sind dank Ausweisung und Erweiterung verschiedener Naturschutzgebiete zu enger Zusammenarbeit genötigt.
In diesem Zusammenhang seien nur die großen NSG Duvenstedter Brook, Wohldorfer Wald und Fischbeker Heide genannt, die jeweils den größten Teil eines Forstreviers einnehmen, da auch dem Wald zugeordnete Wiesen, Moore und Heiden als Wald im Sinne des Waldgesetzes gelten.
Forstliche Rahmenplanung, Forsteinrichtung und Waldbiotopkartierung sind aber auch auf Verzahnung mit der Landes- und Landschaftsplanung angewiesen.
Es hat denn auch niemals eine nachvollziehbare Begründung für die handstreichartig durchgeführte Verlagerung des Forstamtes in die Wirtschaftsbehörde gegeben, die durch den CDU/Schill-Senat erfolgte.
Jetzt sollte dieser Fehler bereinigt und eine wirksame Forstbehörde in der BSU wieder geschaffen werden, die in der Lage ist, die ministeriellen Aufgaben nach dem Bundeswaldgesetz zu erfüllen und in enger Zusammenarbeit mit Naturschutzamt, Stadtgrün und Landschaftsplanung Hamburgs Grün nachhaltig zu schützen und zu entwickeln. Ein Blick in das unter Senator Porschke im Jahre 2001 entstandene Kursbuch "Umwelt - Ziele für ein zukunftsfähiges Hamburg", zeigt, welche Synergien hier liegen.
Das Jahr des Waldes und der europäischen Umwelthauptstadt sollten Anlass sein, der BSU im grünen Bereich wieder etwas mehr Gewicht zu geben.
Horst Bertram