NSG Schnaakenmoor

In Rissen liegt das 100 ha große Naturschutzgebiet Schnaakenmoor, einers der letzten Reste einer einzigartigen Moor- und Heidelandschaft im Nordwesten Hamburgs. Entwässerung und Aufforstungen hatten das nährstoffarme Zwischenmoor stark degradiert. Die Heideflächen vergreisten und verbuschten infolge der aufgegebenen Nutzung.


Die Glockenheide (Erica tetralix, RL HH 2) ist eine Charakterart der Feuchtheiden und moorigen Böden. Das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium, RL 3) liebt nasse, torfige Böden mit niedrigem ph-Wert. Die Sparrige Binse (Juncus squarrosus, RL HH 1) bevorzugt saure, extrem stickstoffarme Heidemoore. Dieser Biotoptyp ist in Hamburg nur noch selten und sehr kleinflächig erhalten. Auf den feuchten Wiesen kann man die Kümmelblättrige Silge (Selinum carvifolia, RL HH 1) antreffen.


Als die Hansestadt Hamburg das Schnaakenmoor 1979 unter Naturschutz stellte und Grundstücke aufkaufte, konnte mit umfassenden Renaturierungsmaßnahmen begonnen werden. Das Naturschutzamt entfernte Bäume und hob den Wasserspiegel mit der Schließung von Entwässerungsgräben wieder an. Im Zentrum des Naturschutzgebietes schoben Planierraupen Anfang der 1990er Jahre auf mehreren Ponyweiden den gedüngten Mutterboden ab. Sie modellierten aus Sand eine neue Geländeform mit Dünen und Senken. Was zunächst wie ein Truppenübungsplatz aussah, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem artenreichen Vegetationsmosaik aus Heiden, Trockenrasen und Kleingewässern.

Die Geschwindigkeit der Wiederausbreitung der Moor- und Heidearten innerhalb der letzten 10 Jahre hat die Erwartungen übertroffen. Wo in den ersten Jahren nach der Umgestaltung noch Weißklee und Wiesengräser vorherrschten, wachsen heute wieder Schmalblättriges Wollgras, Glockenheide und seltene Binsen. Torfmoose bilden auf den zeitweise überstauten Flächen mittlerweise wieder dichte Polster und leiten ein erneutes Torfwachstum ein. Kiebitze nutzen die Flächen als Brutplatz, an den Gewässern findet sich die Nordische Moosjungfer ein, eine nach der FFH-Richtlinie europaweit geschützte Libellenart. In den trockeneren Bereichen überzieht die Besenheide im Spätsommer die Flächen mit einem violetten Teppich.


Der Körper der Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) ist feuerrot gefärbt, die Weibchen eher hellbraun.
Die Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) bevorzugt als Aufwuchsgewässer mesotrophe Stillgewässer. Als Imagines ist sie in Mooren anzutreffen. Das Foto zeigt ein ausgefärbtes Männchen, bei dem das letzte Abdomensegment gelb geblieben ist. Die Hochmoor-Mosaikjungfer ist an Hochmoorgewässern mit Torfmoos-Schwingrasen zu finden. Typisch für Libellen ist das Paarungsrad. Das Männchen hält mit seinen Hinterleibszangen das Weibchen am Kopf fest.


Die lückig bewachsenen Sandflächen erwiesen sich leider auch als ideales Keimbett für Birken, Kiefern und Weidenbüsche. Um den Gehölzaufwuchs zu begrenzen und den Charakter der Offenlandschaft zu erhalten, ist ein regelmäßiges Entkusseln der Flächen notwendig. Die Pflege wird mittlerweile vom Forstamt Rissen durchgeführt, in Zusammenarbeit und Absprache mit den betreuenden Verbänden, dem Botanischen Verein zu Hamburgs e.V. und der Gesellschaft für ökologische Planung.

Im Jahr 2003 wurde das Naturschutzgebiet nach Norden und Osten erweitert. Ziel des in Arbeit befindlichen Pflege- und Entwicklungsplanes wird es sein, die offenen Moor- und Heideflächen zu sichern und weiter auszudehnen, auch um einen Biotopverbund mit dem weiter nördlich in Schleswig-Holstein liegenden Butterbargsmoor herzustellen.

Gebietsbetreuer Dirk Wesuls

 

Karte NSG Schnaakenmoor

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