NSG Ammersbek-Niederung

Das stormarnische Naturschutzgebiet Ammersbek-Niederung ist mit dem hamburgischen Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook eng verzahnt, mäandriert doch die Ammersbek in so schönen Schleifen hin und her, dass es kaum immer festzustellen sein dürfte, wo sie die Landesgrenze überfließt. Hamburg ist darüber hinaus im stormarnischen Gebiet Waldbesitzer. So macht es Sinn, dass die gleichen Naturschutzverbände, die das hamburgische NSG Duvenstedter Brook betreuen (Botanischer Verein, BUND, LJV, NABU, Naturwacht), sich in Schleswig-Holstein um die Betreuung dieses seit 29.05.2002 ausgewiesenen Naturschutzgebietes bemüht hatten und mit der Betreuung durch das LANU beauftragt wurden.

 


Ein gekappter und ein umgestürzter Baum in der Ammersbek-Niederung. Fotos: Wolfram Hammer.


Das 349 ha große Naturschutzgebiet Ammersbek-Niederung erstreckt sich von der Kläranlage Ahrensburg abwärts über Bünningstedt, Rotwegen, an der Splittersiedlung südlich des Brooks entlang bis nach Hamburg. Es umfasst Auen- und Bruchwald, Röhrichte, Wiesen und Weiden, Magerrasen, aber auch Ackerflächen, naturferne Aufforstungen und jagdliche Einrichtungen. Der Leitgedanke bei der Unterschutzstellung ist der Schutz des unverbauten und teilweise sehr naturnah wirkenden Fließgewässers gewesen. Dies wird deutlich darin, dass das Ammersbektal auch deshalb in Teilen als FFH-Gebiet gemeldet und ausgewiesen wurde, weil relativ gut entwickelte Wasserpflanzen-Gesellschaften (Ranunculion fluitantis/Callitricho-Batrachion) in der Ammersbek zu finden sind. Zudem sind saumartig entwickelte Weichholz-Auenwälder entlang des Gewässers verbreitet.

Das im Jahre 2002 nach langen Geburtswehen ausgewiesene Naturschutzgebiet ist infolge vorhandener Besiedlung und landwirtschaftlicher Nutzung sowohl vom Zuschnitt als auch von den Schutzbestimmungen her ein Kompromiss geworden, der für die Natur viele Wünsche offen lässt. Der Botanische Verein hat die Entwicklung der Landschaft seit langem verfolgt.

Vieles ist unwiederbringlich zerstört, wie ein wunderschönes Kleinseggenried durch massive Aufschüttungen an der Ammersbek mit Vorkommen von Geranium palustre, dem Sumpfstorchschnabel (1976/77). Derart wertvolle Flächen gibt es im ganzen Ammersbektal nicht mehr. Nasse Wiesen mit Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) und Himmelschlüsseln (Primula elatior) mussten einer jägerisch motivierten Teichanlage weichen. Die ältesten und knorrigsten Eichen im Krempenhege-Wald ließ die hamburgische Revierförsterei Wohldorf noch 1999 fällen.

Einen harten Eingriff in das Gewässer bedeutete das Baggern in der Ammersbek und das Einplanieren des Auenwaldes im Jahre 2002 – trotz Naturschutz- und FFH-Gebiet . Die Schäden im Gewässer und an seinen Ufern sind dem kundigen Auge heute noch sichtbar. Davon machten sich Botanischer Verein, BUND und NABU auf einer abenteuerlichen Begehung durch das Astgewirr und Wildschweinsuhlen im Sommer 2007 ein Bild. Der Botanische Verein hatte sich seinerzeit durch eine Anzeige und Beschwerde bei der EU-Kommission für die Ammersbek eingesetzt.

Der heutige Vorstand des Gewässerpflegeverbandes Ammersbek-Hunnau hat aus dem Verhalten seines Vorgängers die Konsequenz gezogen, dass es künftig keine Unterhaltungs-maßnahmen mehr gegen die Natur geben soll.

Die Betreuung des Naturschutzgebietes erweist sich in der Praxis als schwierig wegen der vielen Privatgrundstücke, zumal es aufgrund seiner gewässerbegleitenden Gestalt kaum durch Wege erschlossen ist. So beschränkt sich unsere Betreuung auf eine Beobachtung der Entwicklung des Gebietes und auf Vorschläge an die Verwaltung. Zahlreiche Übergriffe (Abfallablagerungen großen Ausmaßes, Entwenden vom Naturschutzschildern u.a.) deuten darauf hin, dass die Akzeptanz des Naturschutzgebietes in der Bevölkerung noch nicht ausreichend gegeben ist.

Dringlich sind eine auf den Naturschutz ausgerichtete Pflege des verbliebenen noch entwicklungsfähigen Grünlandes und die dauerhafte Sicherung möglicher Eigendynamik der Ammersbek. Der Botanische Verein wird sich dafür auch weiterhin einsetzen.

Gebietsbetreuer Horst Bertram

 

Karte NSG Ammersbek-Niederung

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